Häufige Fallen bei der Bestellung — was im Angebot versteckt wird
Was Hersteller und Verkäufer bei der Küchenbestellung oft verschweigen: versteckte Zusatzkosten, Materialaustausch, Kleingedrucktes bei der Garantie und andere unschöne Überraschungen.
Der „ab“-Preis in der Werbung
Der Preis in der Anzeige gilt für das absolute Minimum: nur Korpusse, keine Arbeitsplatte, keine Montage, kein Soft-Close, keine Griffe. Dieselbe Küche in normaler Ausstattung kostet das 1,5- bis 2-Fache.
- Immer fragen: was im Preis enthalten ist und was gesondert berechnet wird
- Typische Zusatzkosten: Montage, Lieferung, Tragen ins Stockwerk, Arbeitsplatte, Spüle, Armatur, Unterbauleuchten
- Angebote anhand des Gesamtpreises für dieselbe Ausstattung vergleichen — nicht anhand des Preises pro Laufmeter
Materialaustausch nach der Unterschrift
Im Vertrag steht „Spanplatte“ ohne Marke oder Emissionsklasse. Nach Produktionsbeginn stellt sich heraus, dass E2 statt E1 verwendet wurde, oder ein völlig anderer Lieferant.
- Im Vertrag verlangen: Spanplattenmarke, Emissionsklasse (E1), Kantenbandmarke und -stärke an sichtbaren Kanten
- Ebenso bei Beschlägen: nicht „Scharniere mit Soft-Close“, sondern „Blum Clip Top Blumotion“ oder „Hettich Sensys“
- Ebenso bei der Arbeitsplatte: Marke, Dekorcode, Stärke
Korpusstärke
Billighersteller verwenden 16-mm-Korpusse und nennen das Standard. Bei einer Fachbodenspannweite über 600 mm unter Last durchgebogen es sich.
- Der Standard für tragende Fachböden ist 18 mm
- Unterschränke, Regale, Geräteumbauten — mindestens 18 mm
- Rückwand: 4–6 mm HDF/Spanplatte; 4 mm ist nur bei Hängeschränken ohne Last auf der Rückwand akzeptabel
„Kostenloses Soft-Close“ als Marketingtrick
Manche Hersteller bewerben Soft-Close als Bonus — und verbauen stattdessen separate Aufschraubdämpfer anstelle von integriertem Soft-Close. Das sind unterschiedliche Dinge.
- Integriertes Soft-Close (Blumotion, SilentSystem) — sanfter Lauf über die gesamte Lebensdauer des Scharniers
- Aufschraubdämpfer — günstiger, versagt meist schon nach 1–2 Jahren
- Direkt nachfragen: „Ist das Soft-Close ins Scharnier integriert oder ein separates Zubehörteil?“
Montage „nicht enthalten“
Preise ohne Montage sind üblich. Gesondert berechnete Montage kann die Küchenkosten um 15–25 % erhöhen.
- Klären, was die Montage umfasst: Aufbau, Geräteanschluss, Spülenmontage, Einstellung?
- Verpackungsentsorgung: oft nicht enthalten und gesondert berechnet
- Tragen über Treppen ohne Aufzug: die Kosten vorab bestätigen lassen
Die „Küchengarantie“
Eine Garantie „auf die Küche“ bedeutet oft unterschiedliche Bedingungen für unterschiedliche Bauteile — und schließt meist normalen Verschleiß, unsachgemäße Nutzung und falsche Lagerungsbedingungen aus.
- Die Garantiezeit für Korpusse, Fronten und Beschläge getrennt erfragen
- Was als Garantiefall gilt: nur Werksfehler, oder jeder Mangel?
- Wer die Reparatur durchführt: kommt der Hersteller zu Ihnen, oder bringen Sie es in eine Werkstatt?
Lieferzeit und Liefertermin
- „4–6 Wochen“ im Vertrag ist die Produktionszeit, nicht der Liefertermin
- Lieferung, Anlieferung ins Haus und Montage sind separate Termine — schriftlich bestätigen lassen
- Vertragsstrafe bei Lieferverzug: ohne sie hat der Hersteller keinen Anreiz zur Eile
- Hochsaison (Aug–Okt, Jan) — die Lieferzeiten verlängern sich tatsächlich
Die goldene Regel: was Ihnen wichtig ist, muss im Vertrag stehen. Mündliche Versprechen des Verkäufers haben keine rechtliche Bindung und ändern sich mit dem Mitarbeiter.
Checkliste vor der Unterschrift
- Das Angebot nennt Marke und Code für Spanplatte, Kantenband, Beschläge und Arbeitsplatte
- Montage, Lieferung und Etagentransport sind separat aufgeführt
- Die Korpusstärke ist angegeben
- Bei Beschlägen stehen konkrete Marke und Serie — nicht nur „europäische Qualität“
- Lieferzeit und -termin: konkrete Daten oder Wochen ab Auftragsbestätigung
- Garantiebedingungen: Dauer und Reklamationsverfahren
- Eine Klausel zur Vertragsstrafe bei Lieferverzug ist enthalten